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Internetseite des Männerchores Weiler bei Bingen

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[Allgemeine Zeitung Bingen, 10.06.2024]Adam J Schmitt - 50 Jahre Vereinsvorsitzender_1
Adam J. Schmitt ist 50 Jahre Vorsitzender des Liederkranzes!

Dreimal wurde der MGV aus Weiler als Meisterchor ausgezeichnet, unternahm Fahrten ins In- und Ausland, eröffnete dabei für den Landkreis in Verona das Partnerschaftsjubiläum.

Weiler. Musik hat Adam J. Schmitt immer interessiert und fasziniert. Schon als kleiner Junge, als die Familie von der Großtante ein Klavier bekam. „Der einzige, der darauf gespielt hat, war ich“, sagt er im Rückblick. Das Besondere ist, dass der heute 75-Jährige Ur-Weilerer am 6. Januar 1974 zum Vorsitzenden des Männergesangvereins „Liederkranz“ 1886 gewählt wurde und dieses Ehrenamt seither mit viel Engagement ausübt. Über fünf volle Jahrzehnte hinweg.


Im Kreisvorstand Gott und die Welt kennengelernt

Acht Jahre lang war er Teil des Schulchores am Stefan-George-Gymnasium. Sein Lehrer, Prof. Theo Fischer, bemerkte früh sein Verständnis für Musik, prägte ihn entscheidend mit. Direkt nach der Verabschiedung von der Schulbank mit dem Abitur 1968 führte Schmitts Weg in die Gesangsstunde des MGV, ein gutes halbes Jahr später fand er sich als Zweiter Schriftführer im Vorstand wieder.

Albert Dresander holte ihn einige Wochen später in den Kreisvorstand des Sängerkreises Bad Kreuznach, wo er ein Vierteljahrhundert lang agierte. Eine Zeit, von der Schmitt bis heute profitiert, „denn da hab ich Gott und die Welt kennengelernt.“ Und er erfuhr enorme Wertschätzung, bei Fischer genauso wie bei Komponist und Uni-Professor Rudolf Desch.

Zur Theorie, dem Gestalten und dem Mitsingen kam schnell die zweite Seite der Praxis hinzu. Als 1971 ein Chorleiterseminar in Bingen stattfand, animierte ihn Fischer, daran teilzunehmen. Also machte Schmitt mit gerade 22 Jahren sein Diplom, übernahm den Weilerer Chor, wenn dessen damaliger Dirigent Willibald Stipp verhindert war.

Im MGV löste er schließlich Karl-Heinz Steinberger als Vorsitzenden ab. Die Unterstützung von Gerhard Lautz und mehrerer junger Sänger kam ihm dabei zugute. Lautz wurde erster Jugendvertreter. Ein Konzert, das lange auf der Kippe gestanden hatte, konnte dank dem Netzwerk Schmitts durchgeführt werden. Auch die Zahl der aktiven Sänger stieg kontinuierlich an. Aus etwa 30 wurden zum 100-jährigen Vereinsjubiläum stolze 100, die auf der Bühne standen.

Besondere Konzerte lagen dem Liebhaber klassischer und Barock-Musik, der genauso Leonard Bernstein und andere Komponisten schätzt, immer am Herzen. Und die gab es reichlich, etwa mit der Rheinischen Philharmonie, mit dem Mainzer Polizeiorchester, dem Jagdhornbläserensemble Heidelberg oder dem Loh-Orchester Sondershausen. Geistliche Konzerte gesellten sich hinzu.

„Es gibt kaum einen Männerchor, der so viel geistliche Literatur im Schrank hat wie wir“, verweist Schmitt auf das Notenmaterial, das griffbereit ist. Genauso wie die 80 Weihnachtslieder in unterschiedlichen Sprachen, die zum Repertoire zählen. Die Abende in der Pfarrkirche, wo Schmitt als Aushilfsorganist die Register zieht, wenn Not am Mann ist, stehen am Samstag vor dem vierten Advent als fixer Bestandteil im Kalender von Chor, Gemeinde und Fans. Mainzer Dombläser, verschiedene Gruppen von Staatstheatern und auch Solisten setzen dann Akzente in farbigen Programmen. Im Dezember steht bereits die 25. Auflage an.

Schmitts Kreativität gepaart mit Kontakten in der Szene und das Setzen von Zielen öffneten Türen. Die mit den Jahren gewachsenen Strukturen in einem harmonierenden Vorstand zahlten sich mit den Jahren aus. Mitgliedsbeiträge, Erlöse aus Festen, dazu Spenden und Sponsoren. Darauf fußt der Erfolg des Chores in finanzieller Hinsicht. Dreimal wurde der MGV als Meisterchor ausgezeichnet, unternahm zahlreiche Fahrten ins In- und Ausland, eröffnete dabei für den Landkreis in Verona das Partnerschaftsjubiläum.

Chormitglieder von Bingen bis Warmsroth

Durchhaltevermögen und Gesundheit. Diese beiden Faktoren sind für den gläubigen Katholiken Adam Schmitt Grundlage für alles. Bereut hat er die mehr 56 Jahre im Chor und die Zeit als Vorsitzender keine Sekunde. „Musik selbst zu machen, darzubieten und in einer Gemeinschaft zu erleben, das hat mir unheimlich viel gegeben.“

Der Chor ist heute mit seinen drei Dutzend aktiven Mitgliedern gut aufgestellt, auch von der Altersstruktur her. Die Sänger, die sich immer donnerstags ab 20 Uhr im schicken Saal im Rathaus treffen, kommen längst nicht mehr ausschließlich aus Weiler, sondern eben auch aus den Nachbargemeinden von Bingen bis Warmsroth. Zwei von ihnen haben aktuell die 80 überschritten, der jüngste ist 27, viele sind in den 30ern und 40ern. Ende August steht die nächste Mitgliederversammlung an. „Ich habe dem Vorstand angezeigt, dass ich noch in diesem Jahr einen Schritt kürzer treten will“, sagt Schmitt.

Eine der längsten Amtszeiten eines ununterbrochen agierenden MGV-Vorsitzenden in Deutschland könnte sich dem Ende zu neigen.

Jochen Werner